Pressebericht Allgäuer Zeitung  (13.02.2006)

Mehr Verantwortung übernehmen
Gebetsinitiative appelliert beim Thema „Geld regiert die Welt“ an christliche Sicht

Kempten (js) - Einen alten Ansatz, Probleme der Zeit lösen zu helfen, will eine von drei christlichen Gemeinschaften ins Leben gerufene Gebetsinitiative für Kempten neu beleben: Mit Diskutieren, Nachdenken und Beten. Der jetzt zweiten Veranstaltung zum Thema „Geld regiert die Welt“ sollen weitere folgen.

Rund 120 Bürger der Stadt, die in unterschiedlichen Bereichen Verantwortung tragen, wurden angeschrieben. Das aktuelle Thema der Kemptener Gebetsinitiative „Suchet der Stadt Bestes“ lautete „Geld regiert die Welt“: Die Allgäuer Volksbank hatte ihren Ponikau-Saal zur Verfügung gestellt und Vorstandsmitglied Donat Asbach selbst stellte sich kritischen Fragen, die stellvertretend für Bernhard Ott (katholische Kirche) und Stefan Vatter (evangelische Freikirche) Susanne Januschke-Ortmann von der evangelischen Kirche stellte. „Verantwortung übernehmen“ - diese „Kurzimpulse“ waren sowohl als Anregung für die Diskussion wie zum Innehalten in stillen wie öffentlichen Gebeten gedacht. Geschildert wurde, wie eine Familie in eine Schuldenfalle geriet, aus der es ohne Hilfe von außen kaum Auswege gibt.

Kemptens Bürgermeister Josef Mayr musste sich Fragen gefallen lassen, warum die Stadt nicht Rücklagen auflöse, um soziale Brennpunkte zu entschärfen und Bankenvertreter Asbach sollte darlegen, warum Menschen so leicht an Privatkredite kommen, obwohl die Rückzahlung schwer falle. Ein Anlageberater schließlich wurde um seine Meinung gebeten, ob „ethische oder umweltfreundliche Anlagen“ Vorrang bei der Beratung von Kapitalanlegern haben könnten. Damit war ein Spannungsbogen gegeben, der die Grundfesten einer marktwirtschaftlichen Vielfalt berührte. Denn eine Bank, die Schuldnerberatungen übernehme, verliere Kunden. Anlageberater würden dafür bezahlt, Anlagen vorrangig nach der Höhe der Rendite auszuwählen.

Volksbank-Vorstand Asbach stellte eine „Eskalation der Geschäftsbedingungen“ fest: „Früher war es Ehrensache, geliehenes Geld auch zurückzuzahlen. Inzwischen ist jener gut angesehen, der den anderen über den Tisch zieht.“ Bei der Frage, wie weit in der Stadt die „Auszehrung beim Sozialen“ noch gehen könne, erklärte Bürgermeister Mayr: Für die Stadt seien Schulden die Ausnahme, nicht der Normalfall. Nur dann seien „freiwillige Leistungen“ in ausreichendem Maß überhaupt möglich. Den Rücklagen stünden derzeit Schulden in etwa gleicher Höhe gegenüber, worauf Mayr vorgeworfen wurde, die Politik habe es versäumt, in „guten Zeiten“ genügend Rücklagen zu bilden. In der Diskussion kam auch zur Sprache, dass in den Familien nicht mehr ausreichend der Umgang mit dem Geld vermittelt werde - einer der Gründe, warum Jugendliche überschuldet seien.

Wie dieser Spagat gelöst werden könne? Darauf gab es weder endgültige noch radikale Antworten. Doch Beten als Zwiegespräch mit Gott und dem eigenen Gewissen könne anregen,aus Sicht des christlichen Glaubens mehr Verantwortung zu übernehmen, hoffen die Initiatoren.

PDF "Mehr Verantwortung übernehmen" Text - Allgäuer Zeitung 13.02.2006
PDF "Mehr Verantwortung übernehmen" Bild - Allgäuer Zeitung 13.02.2006

Zurück zur Übersicht